Das Münchhausen-Versprechen: „Ich gelobe, ab nun regelmäßig zu bloggen“!

muenchhausenversprechen

Oder: Gut gemeint und schlecht geplant

Am Anfang tobt die Begeisterung, die neue Website, der Blog motiviert, die Ideen sprudeln und man hat Artikelideen ohne Ende.

Nach einer kleinen Weile merkt man, dass das Schreiben Zeit braucht und diese nicht immer zur Verfügung steht.

Ein bisschen später kommt man dann darauf, dass die Freude am wort-wörtlichen Tun irgendwo auf der Strecke geblieben ist und aus dem geplanten wöchentlichen Artikel ist ein „fallweise einmal im Monat“-Beitrag geworden.

Also schubbst man seinen inneren Schweinehund, ruft sich zur Ordnung und eröffnet schnell eine neue Rubrik zu einem Thema, das einen gerade brüllend interessiert und wo man der Welt im allgemeinen und seinen Lesern im besonderen ab nun „ganz sicher regelmäßig“ einen Artikel verspricht.

Und dann beginnt das Ganze von vorne.

Nur geht´s beim zweiten Mal schneller und der Schweinhund lauert ein gutes Stück größer sabbernd im Eck.
Mistvieh aber auch, das nur auf die Gelegenheit zum Zuschlagen wartet!

Wer sich im obigen Szenario ganz oder teilweise wiederfindet: Willkommen im Club – es ist einer mit vielen Mitgliedern.

Das passiert jedem, der sich im Bloggeschehen zu bewegen beginnt und gelobt hat, seine Website immer aktuell zuhalten. Wer es noch nicht erlebt hat, der ist entweder noch ganz am Anfang oder ein Ausnahmetalent.

„Was tun?“, sprach Zeus …

… und wandte sich an To-do, die Göttin des aktiven Tuns ;-)

Das man zu Beginn begeistert und motiviert ist, ist wunderbar und das sollte man auch genießen. Wenn die Wörter einen nur so umschwärmen, die Ideen mit den Musen gemeinsam Überstunden tanzen, dann zwitschern die Beiträge nur so aus den Tasten! Diesen Kreativ-Strom einzubremsen ist konterproduktiv und sorgt für Frust ob der Ideenvergeudung. Die Produkte dieser hochkreativen Produktionsphase alle auf einmal online zu stellen, bringt einen allerdings schnell in den Schweinehund-Kreislauf – denn dieses Tempo kann man kaum beibehalten.

Fakt ist, dass man bei Beginn eines Projekts sehr begeistert ist und dieser Antrieb dann irgendwann nachlässt. Diesen Schwung sollte man nutzen und vorproduzieren – also für schlechte Zeiten sparen.

Es ist wie bei einem Marathonlauf: den kann man auch nur schaffen, wenn man mit seinen Kräften gut haushaltet. Ein 100m Run ist schnell geschafft, da kann man vom Start weg Vollgas geben. Bei über 42km schaut die Sache anders aus, da braucht es neben dem körperlichen auch ein mentales Training und man muss lernen, mit seinen Ressourcen zu haushalten.

Das Mentalttraining beim Blogartikel-Marathon nennt sich …

Redaktionsplan

… und dafür braucht man ein bisschen Zeit, einen Kalender und etwas Selbstdisziplin.

Wer sich viel vornimmt, muss naturgemäß auch viel machen und hat dementsprechend viel zu tun.
Wer sich zuwenig vornimmt, handelt nicht unbedingt klüger, denn Motivation braucht Ziele, die es sich zu erreichen lohnt.
Die Kunst besteht darin, dass man sich die für sich richtige Menge vornimmt und das dann auch durchzieht.
Egal, ob es sich um einen regelmäßigen Morgenlauf oder regelmäßige Blogartikel handelt.

  • Bevor es ans Planen der Beiträge geht, sollte man sich überlegen, wie lange man für einen Beitrag überhaupt braucht. Nicht „brauchen will“, sondern real benötigt! Und hier empfiehlt es sich, immer ein wenig mehr Zeit zu veranschlagen.
  • Auch sehr wichtig für diese Kalkulation: Woher kommen die Beiträge? Sind sie Eigenproduktion (die Idee, der Inhalt, die Bilder … alles stammt vom Verfasser) oder werden Teile zugeliefert?
    Für die Eigenproduktion heißt es demnach mehr Zeit und Ressourcen  für das Produzieren und Recherchieren der Teile einzuplanen und für Zulieferungen braucht es zusätzliche Organisationszeit.
  • Weiters: Was sind das für Beiträge? Sind es ganze Artikeln (im Ausmaß von so und sovielen Seiten, Wörtern …) oder gibt es mal längere und mal kürzere Beiträge? Sind es kurz kommentierte Links zu anderen Infos, reine Bilder die schnell mit einer Beschreibung gepostet werden können, ein Zitat oder ein Gastbeitrag, der moderiert/akquiriert werden will?
    Hier beginnt bereits die redaktionelle Eigenplanung in Kombination mit einem Zielgruppen-Fokus: es braucht eine gesunde Mischung, die für die Leser und den/die VerfasserIn stimmig sein muss!
  • Hat man seinen Mix gefunden, geht es ans Timen des Ganzen: was sind die besten Tage fürs Online stellen des Artikels? Wieviele Artikel im Monat „verträgt“ das Publikum? Gilt es zusätzlich einen Newsletter (vielleicht automatisch) zu befüllen, sprich: gibt es einen Redaktionsschluss, bis zu dem eine bestimme Menge an Infos vorhanden sein muss?
  • Nun werden die geplanten Artikel, inkl. Vorbereitungs/Produktionszeit in den Kalender eingetragen. Werden Inhalte zugeliefert oder müssen diese recherchiert werden, dann plant man auch das ein (Fotografen informieren oder Bilder selber aufnehmen, in Bilddatenbanken suchen/finden, Gastbeiträge zeitgerecht anfordern, Gastautoren anschreiben, Zitate recherchieren, Ideen brainstormen, kreatives Gedankenspinnen einplanen …)

Damit sieht man sehr plastisch, wieviel Zeit und Arbeit für die Beiträge real notwendig ist.

Das klingt nun sehr üppig und nach immensem Aufwand – ist aber in Summe weniger Arbeit, als wenn man sich vom Musenschwung wellenartig emporschleudern lässt, um dann nach einiger Zeit zu merken, dass man nicht auf der Paradiesinsel der Dauerbloggerei, sondern regelrecht am Sand des „Keine Ahnung was ich schreiben soll und überhaupt …„-Strandes gelandet ist.

  • Das weitere Vorgehen ist eher einfach: hat man eine Idee, notiert man sich diese.
    Die einen mögen´s haptisch und nutzen Papier und Stift dazu, andere tippen gleich ein paar Stichworte ins System. Je nachdem: die Ideen sammeln und festhalten. Ist es laut Kalender an der Zeit was zu tun, dann hat man im besten Fall eine Auswahl an Möglichkeiten, aus der man sich die passende heraussucht und fertig stellt.
    Manche verfassen so mehrere Beiträge auf einmal und programmieren diese für die kommenden Wochen, Monate voraus. Andere erarbeiten lieber jeden Beitrag stimmig zum Zeitpunkt des Erscheinens.
    Beides ist ok, wenn es für einen passt und man so gut zurecht kommt.
    Auf diese Art und Weise schafft man es dann auch, die Begeisterungsstürme in den sinnvollen Griff zu bekommen, kann die kreativen Phasen ausnutzen und sammelt Vorräte für die Zeit, wo man sich um alles andere lieber als um den aktuellen Blogartikel kümmern will.

Eines sollte man allerdings immer vermeiden:

Münchhausen-Versprechen

muenchhausenversprechen„Ich werde ab nun regelmäßig einmal pro Woche … bloggen“
„Ab heute gibt es alle vier Tage einen Beitrag …“
„Mit dieser Kategorie eröffne ich eine wöchentliche Blogkolummne …“
„Hier findet ihr einmal im Monat neue …“

Damit versucht man sich selbst aus dem Sumpf des „Keine Bock auf Blog“-Daseins zu ziehen. Ein verzweifelter Versuch, durch öffentliche Proklamation den Schweinehund aus dem Weg zu schaffen:
Seht her, ich werde das tun! Helft mir bitte es selbst zu glauben.

Das macht unguten und richtig miesen Stress und sorgt für einen Teufelskreis, der die Kreativität und den Spaß am Schreiben ermordet. Denn wenn man schon vorher keine Lust hat was zu tun und nun versucht sich selbst dazu zu peitschen: woher soll denn dann die Idee, die Freude und ein guter Blogartikel kommen?

Das wird Kampf und Krampf und das Scheitern ist im Versprechen schon einkalkuliert.
Die Konsequenz daraus: man verliert Vertrauen.
Das in sich selbst und das seiner Leser und Kunden.

Es kann schon mal sein, dass man eine Phase des nicht Schreibenwollen oder -könnens hat – aus welchem Grund auch immer. Mit Druck wird das aber auch nicht besser, eher im Gegenteil. Das zerquetscht den letzten Funken Motivation an der Staumauer des Müssens.
Besser ist es hier, eine Blogpause zu machen und diese auch dem Publikum mitzuteilen. Das ist durchaus üblich und besser, als wenn man laue Versprechen hinschreibt und dennoch nur tote Hose produziert.

… und wenn´s wirklich gar nicht geht?

Wenn man einfach nicht mehr mag, wenn die Qual groß und größer wird und die Beiträge nicht auf Bäumen wachsen wollen?

Schluss mit Punkt.

Wenn man nach einiger Zeit drauf kommt, dass das mit dem Bloggen im Grund genommen doch keine so gute Idee war, die Ressourcen einfach fehlen, die Ideen mau und die Reaktionen lausig und vor allem die Freude zur Qual mutiert ist, dann ist es absolut legitim zu sagen/schreiben, dass man das nun sein lässt. Niemand wird zum Bloggen verpflichtet oder gezwungen und besser ein moderierter Abschluss, denn ein Ende ohne Schrecken.

Manche lagern diesen Bereich dann eine Zeitlang aus, holen sich Hilfe von außen und manchmal kann man mit einem Schreibcoaching, einer Umsetzungsbegleitung und einer Umstellung der Gewohnheiten neue Freude ins Spiel der Buchstaben bringen.

Aber auch dann ist es gut, wenn man zuerst mal zu dem Schluss kommt, dass nun Schluss mit diesem Gewurschtel ist, das man nun einen Punkt setzt und erstmal aufräumt, bevor es ans nächste Konzept geht, mit neuem Schwung und besseren Vorgaben.

Es mit Krampf und Schmerzen weiter zu versuchen ist konterproduktiv und geschäftsschädigend. Ebenso geschäftsschädigend ist es, wenn man unter aktuelle News als neuesten Beitrag einen uralten, unaktuellen Artikel mit Ostergrüßen aus dem Vorjahr stehen hat.

Es darf auch Websites ohne Blogfunktion geben und manchmal ist das für alle Beteiligten die bessere Lösung. Und manchmal entsteht aus dem Trümmerhaufen des ersten Blogdaseins ein neues, stabiles und schöneres Gebäude.

Fazit

  1. Kreative Wellen nutzen um Ideen und Infos sammeln, wenn sie sich einem aufdrängen
  2. Sich ein realistisches Zeitkonzept überlegen
  3. Einen guten Beitragsmix kreieren, der einem selbst und den Lesern mundet
  4. Die Beiträge in sinnvollen Abständen planen
  5. Überschüsse für schlechte Zeiten sammeln
  6. Keine Versprechen abgeben, nur um sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen
  7. Blog- und Newsletter-Pausen klar und deutlich kommunizieren!
  8. Wenn es partout nicht klappen will: Schlusspunkt setzen und (erstmal) aufhören.

Hilfreiche Anti-Münchhausen-Versprechen & Pro-begeistert-Blogschreiben Links

Dieser Beitrag entstand auf Basis der Inspiration von Kerstin Hoffmanns Blogparade gegen die Schreibblockade (#bloCKparade). Da es zum Blockade-Thema selbst bereits zahlreiche Artikel gab und gibt, habe ich ein „Nischen“-Thema aufgegriffen, das oft am Anfang einer solchen Blockade steht: das Münchhausen-Versprechen – wie man sich selbst erfolgreich in den Sack … pardon, Blog lügt.

Ich danke Kerstin Hoffmann an dieser Stelle sehr herzlich für ihre wunderbare Idee und hoffe, dass meine Tipps ein wenig bei der Vermeidung von Schreibblockaden helfen.

Wenn wer Ergänzungen und/oder eigenen Tipps hat: einfach mitmachen bei der Blogparade! … Kommentare und Feedback sind wie immer natürlich sehr herzlich willkommen.

8 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Nach 45 Tagen täglich Bloggen schwimme ich noch „im Kreativ-Strom“ und fühl mich wie ein Fisch im Wasser mit dem Entschluss, weiter täglich zu bloggen. So lange es mir Spaß macht! Gestern z.B. war das tägliche Bloggen mein Thema :-) http://schreibstudioblog.wordpress.com/2013/11/10/nablopomo-type-your-heart-out/ Falls der Schwung nachlassen sollte, freu ich mich, deine Vorschläge auszuprobieren. Danke für den inspirierenden Blog-Artikel!
    Johanna Vedral

    • Hallo Johanna,
      Danke für deine Info und Feedback und gratuliere zum Enthusiasmus! 45 Tage ist im Bloggleben ja noch nicht allzu lange, aber ich denke du wirst es für dich schon rausfinden, wie du dir den Spaß an dieser Freude erhalten kannst.
      Wünsch dir weiterhin viel Spaß beim Bloggen!

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